Interview mit Franz J. Brüseke zu „Die Schreibschule“
Herr Brüseke, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Buch „Die Schreibschule“, das im IFB Verlag Deutsche Sprache erschienen ist. Was hat sie dazu bewogen, dieses Buch zu schreiben?
Dank meiner nun fast vierzigjährigen Abwesenheit, ich wohne in Brasilien, habe ich die Veränderungen der deutschen Sprache bei meinen gelegentlichen Besuchen in Deutschland immer besonders deutlich erfahren, gewissermaßen in Schockwellen. Ich erinnere mich noch besonders deutlich an eine Situation, in der ich in einer Bäckerei einen Negerkuss bestellte und umgehend korrigiert wurde. Die Diskussionen über das Gendern und seine makabren Auswüchse sind ja im Verein Deutsche Sprache ein Dauerthema, aber auch bestimmte Hypersensibilitäten auf anderen Gebieten fielen mir, wohl wegen meines langen Auslandsaufenthalts, besonders auf. Da lag es auf der Hand irgendwann einmal darüber zu schreiben, nicht mit deutschem Ernst, sondern mit brasilianischer Leichtigkeit. Oder besser gesagt, mit einer Mischung aus beidem.
Wo und wie haben Sie die Inspirationen für Ihr Werk gefunden?
Wenn ich schreibe, geht das immer ganz spontan, oder es geht gar nicht. Das Wort „Inspiration“, das vom lateinischen „spiritus“ abgeleitet ist, gibt uns da schon einen Wink. Es muss ein „Geist“ sein, oder eben der berühmte Kuss der Muse, der meine Schreiberei in Gang bringt. Im Falle dieser Erzählung „Die Schreibschule“ war es wohl auch ein lange aufgestautes Bedürfnis wieder einmal (auf deutsch) zu lachen.
Sie haben mehrere Romane und Publikationen veröffentlich. Wo haben Sie das Schreiben „gelernt“?
Schreiben hat mir Fräulein (!) Blumenroth auf der Volksschule (!) in Hamm beigebracht. Man sieht, wie selbst die Beantwortung dieser Frage schon im Filter der Zeit stecken bleibt. Ansonsten bringt man sich, wenn man es erst einmal kann, das Schreiben selbst bei. Man liest, man beobachtet und macht Erfahrungen mit der Realität, die dann, wenn man eine Neigung dazu hat, zur schriftstellerischen Verarbeitung drängen.
Ihr Buch startet mit einem sehr prägnanten ersten Satz, was sich als wichtiger Punkt herausstellt. Erinnern Sie sich an einen für Sie besonders einprägsamen ersten Satz in einem Roman?
„Heute ist Mama gestorben.“ Der erste Satz aus dem „Fremden“ von Camus. Immer noch für mich, wie übrigens die existenzialistische Literatur und Philosophie insgesamt, Heidegger eingeschlossen, ein wegweisender Autor.
Welche Zielgruppe möchten Sie mit Ihrem Buch erreichen?
Alle diejenigen, denen Sprache am Herzen liegt und die, bei allem verständlichen Ärger über Sprachmanipulation und Kulturverfall, hin und wieder gerne lachen.
Was sind Ihre Pläne für die Zukunft? Arbeiten Sie an einem neuen Buch?
Ich habe gerade ein Bändchen mit Gedichten veröffentlicht. Als ich voller Selbstzweifel Chatgpt fragte, wie sich meine Gedichte in die heutige Lyrik-Landschaft einordnen lassen und welcher Stilrichtung sie denn angehörten, kam die Antwort: „Post-romantischer Realismus mit Ironie“. Ich habe herzlich gelacht. Einen Teil der Gedichte habe ich mit Hilfe eines digitalen Studios vertont. Damit experimentiere ich immer noch. Soziologische und philosophische Schriften, Romane, Gedichte und jetzt deutsche Lieder zu südamerikanischen Klängen … wer weiss, was sonst noch kommt.
Das Buch kann hier bestellt werden.




