Interview mit Reinhard Tschapke zu „Kleine Rhetorik des Schreibens“
Herr Tschapke, ihr neues Buch „Kleine Rhetorik des Schreibens“ ist nun im IFB Verlag Deutsche Sprache. Warum haben Sie es gerade jetzt verfasst?
Ich bin in Tübingen in Rhetorik bei Gert Ueding und Walter Jens promoviert worden, war 30 Jahre lang Kulturjournalist und hatte über viele Jahre einen Lehrauftrag für Schreiben an der Universität Hannover. Es wurde Zeit, Bilanz zu ziehen und etwas weiterzugeben. Zudem stellte ich fest, dass vielen Menschen das Schreiben leider immer schwerer fällt und dass mich einige Sprachentwicklungen mächtig ärgern.
Was bedeutet in dem Zusammenhang der Begriff „Rhetorik“?
Rhetorik meint seit der Antike die Kunst des guten Sprechens und Schreibens nicht nur in einem ästhetischen, sondern auch in einem moralischen Sinn. Ein guter Redner will nicht überreden, sondern überzeugen. Das ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied. Ein guter Redner oder Schreiber ist ehrlich, verlässlich und integer. Jedenfalls im Idealfall.
Wann begann Ihre Leidenschaft fürs Schreiben?
Sagen Sie es bitte nicht weiter, aber eigentlich konnte ich mein Leben lang nur zwei Sachen einigermaßen: lesen und schreiben. Zum Leidwesen meiner Frau bin ich eine technische Niete. Ich haue schon mal eine Schraube mit dem Hammer rein. Aber ich konnte mein Vergnügen als Journalist und Autor zum Beruf machen. Wem gelingt das schon? Freilich führte das auch zu einer schrecklichen Korrektursucht. Studenten meiner Schreibseminare sagten mir irgendwann nach, ich würde wohl noch nachts über Friedhöfe gehen und am liebsten die Grabsteine umschreiben.
Wie sehr beeinflussen moderne Medien wie die Sozialen Netzwerke oder das Tippen von Kurznachrichten auf dem Handy den Schreibstil?
Von mir aus kann jeder auf welchem Endgerät auch immer schreiben, wie ihm der Schnabel gewachsen ist – solange der Leser das akzeptiert und versteht. Ich glaube aber, dass es ein paar rhetorische Grundregeln gibt, die man unbedingt beachten sollte. Ein Beispiel gefällig? Lachen Sie nicht, aber ein lieber, leider verstorbener Bekannter von mir, der Bestsellerautor Johannes Mario Simmel, hat mal gesagt: Man darf keinen Satz schreiben, den der Leser nicht versteht. Klingt schlicht, ist aber völlig richtig und wichtig. Und es schadet auch nicht, die deutsche Rechtschreibung zu beachten.
Sind neue Gefahren für das Schreiben absehbar? Chat GPT und die künstliche Intelligenz sind schließlich auf dem Vormarsch…..
Es wird nie passieren, dass eine Maschine die menschliche Fantasie ersetzt. Viel schlimmer die Robotisierung von Sprache finde ich die schleichende Verschlechterung unserer Sprache durch grassierendes Denglisch und dümmliches Gendern. Beides ärgert mich ungemein, und sollten zum Beispiel meine Lieblingszeitungen jemals dem Gendern verfallen, werden es nicht mehr meine Lieblingszeitungen sein. Zum Glück gibt es keine gesetzliche Verpflichtung, diesen Unsinn mitzumachen.
Das Buch kann hier bestellt werden.




